Vegetarisches Restaurant Hiller in Hannover
Teil 1
Manche Leute sind regelrecht vom Fleische gefallen. Mit voller Absicht: Sie essen nichts, was Augen hat. Acht Prozent aller Deutschen sind Vegetarier. Keine weltfremden Ökos in Strick-
jacken, sondern genussvolle Esser.
Ein Blick ins das älteste vegetarische Restaurant Deutschlands.
Es ist angerichtet.
Und? Sieht man's? Ja, durchaus! „Sie werden im Alter welk", sagt Karl-Heinz. Karl-Heinz ist gerade vom Arzt gekommen. „Mein Kardiologe hat gesagt, ich sei zu fett." Jetzt sitzt er im Restaurant „Hiller", mitten in Hannovers Zentrum, aber in einer Seitenstraße versteckt. Er hofft wohl, von einem einzigen vegetarischen Mittagessen gleich vom Fleische zu fallen. Vegetarisches Essen - das ist für Karl-Heinz der Inbegriff gesunder Ernährung: Grünzeug, Körner, wenig Fett. Aber auch weniger Genuss. Und wer sein Leben lang nicht genießt, wird eben im Alter schneller welk. Wie die Vegetarier. So sieht es jedenfalls Karl-Heinz.
Seine beiden Begleiter lachen. Allen dreien schmeckt es vorzüglich. Nach dem Rohkostteller gab es Brokkoli mit Kartoffelpüree und Sojasteak, Tomaten-Karotten-Gemüse mit Polenta und Weizen-
bratling und Steinpilzravioli mit Keniabohnen und Rührei. Jetzt warten sie auf das Dessert: Quark mit gepresster Banane. Das Mittagsmenü kostet 7,65 Euro beziehungsweise 10,20 Euro für die Steinpilzravioli. Die Portionen sind riesig.
„Keiner verlässt das Hiller hungrig", sagt Johanna. Sie studiert Sozialwissenschaften und jobbt dreimal in der Woche als Kellnerin in dem Restaurant. Ihre Figur ist perfekt. Liegt das an der Ernährung? Nein, Johanna macht jeden Tag Sport. Sie hat Recht, was die Portionen betrifft, auch Karl-Heinz ist satt.